Das kostbare Nass

Regenwasser nutzen statt Abwassergebühren zahlen

Steigende Preise für Trinkwasser und Abwasser haben – verbunden mit einer erhöhten Wertschätzung für sauberes Wasser – in den letzten Jahren zu deutlich stärkerem Interesse an Regenwassernutzungsanlagen oder eigenen Brunnen geführt. Wann lohnt es sich, eine bestehende Wasserversorgung durch eine Regenwasseranlage zu ergänzen?

Wasser ist nicht nur ein kostbares, sondern, vor allem in Deutschland mit ein bis zwei Euro pro Kubikmeter zuzüglich Abwassergebühren, auch ein teures Gut. Der durchschnittliche Wasserverbrauch liegt im Schnitt bei 123 Litern pro Kopf täglich. Meist wird ausschließlich Trinkwasser benutzt, was durchaus nicht immer notwendig ist: Ein bewusster, nachhaltiger Umgang mit Niederschlagswasser schont Umwelt und Geldbeutel.

Die einfachste und sinnvollste Nutzung von Regenwasser ist die Gartenbewässerung. Als Faustregel gilt, dass in den 20 Sommerwochen pro Jahr bis zu 20 Liter pro Quadratmeter verbraucht werden. Wer mit Leitungswasser gießt, muss zusätzlich zum gezapften Trinkwasser eine Abwassergebühr zahlen, obwohl kein Abwasser entsteht, da das Gießwasser im Boden versickert.

Gebühren erheben die Kommunen auch für die Einleitung von Regenwasser, das über bebaute oder versiegelte Flächen nicht ins Erdreich fließen kann und in die öffentliche Kanalisation gelangt. Etwa 150 bis 200 Euro pro Jahr muss man für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rechnen. Vermeiden lassen sich die Gebühren, wenn das Niederschlagswasser auf dem Grundstück verbleibt.

Eine Regenwassernutzungsanlage mit unterirdischen Zisternen ist vor allem dort angebracht, wo es häufig regnet, aber auch trockene Perioden vorkommen“, meint Dietmar Sperfeld von der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung in Darmstadt. Anders als in einer normalen Regentonne kann in unterirdischen Zisternen das Niederschlagswasser das ganze Jahr über gesammelt werden. Normalerweise lassen sich trockene Phasen 18 bis 25 Tage lang überbrücken.

„Mit dem gesammelten Wasser kann nicht nur der Garten gewässert, sondern auch die Toilettenspülung und die Waschmaschine betrieben werden“, erklärt Michael Henze, Umweltreferent des Bundesverbands Garten- und Landschaftsbau (BGL). Was sinnvoll ist: 35 Liter sauberes Trinkwasser rauschen pro Tag und Kopf durch die Toilette.

Nicht nur die Pflanzen freuen sich über weiches Regenwasser, sondern auch Wäsche und Waschmaschine. Und die Umwelt profitiert durch weniger Waschpulver- und Weichspülerverbrauch. Wer das Regenwasser aus der (zuschussfähigen) Zisterne auch im Haus nutzen will, braucht allerdings ein zweites Leitungssystem, damit Brauch- und Trinkwasser sich nicht vermischen. Zu empfehlen ist die aufwändige Installation eines zusätzlichen Leitungssystems vor allem im Zuge von Renovierungen oder beim Neubau.

Lohnt sich die Anschaffung?

 Ob es sich lohnt, eine bestehende Wasserversorgung durch eine Regenwasseranlage zu ergänzen, hängt davon ab, wie hoch die kommunalen (Ab-)Wassergebühren sind.

Ein Vier-Personen-Haushalt kann jährlich etwa 40 Kubikmeter, also 40.000 Liter, Trinkwasser durch Regenwasser ersetzen, 60 Kubikmeter sind es, wenn auch Wäsche gewaschen wird. Wenn die Abwassergebühren zusätzlich wegfallen, bedeutet das eine jährliche Ersparnis von 240 bis 300 Euro.

Gegengerechnet werden müssen die recht hohen Investitionskosten: Die Kosten für Speicher, Rohrleitungen, Filter und Pumpen betragen je nach Speichervolumen zwischen 2.000 und 5.000 Euro, dazu kommen die Kosten für die Montage und etwa 100 Euro Wartungskosten pro Jahr.

Eine kostengünstigere Alternative zum Regenwasser sammeln in der Zisterne ist der Zugriff auf Grundwasser durch einen eigenen Brunnen. Doch einfach drauflos buddeln geht nicht, ein solches Unterfangen muss bei der unteren Wasserbehörde der Gemeinde angezeigt werden, die zudem Auskunft darüber geben kann, in welcher Tiefe man fündig wird. Die konkreten Kosten für Ramm- oder Bohrbrunnen hängen von der Grundwassertiefe und der Bodenbeschaffenheit ab.

Ein zusätzlicher Pluspunkt für den Brunnenbesitzer ist, dass er (insofern der Grundwasserstand konstant bleibt), unabhängig von der Niederschlagsmenge ganzjährig Wasser zur Verfügung hat von zudem besserer Qualität. Der Brunnen braucht weniger Platz als die Zisterne und lässt sich auch nachträglich leicht installieren.

Quellen: umweltbundesamt.de, bauen.de, grundfos.com, my-hammer.de, t-online.de, n-tv.de/ratgeber

Über den Author

Michael Schäfer

Immobilienmakler & Immobilienkaufmann


Michael Schäfer arbeitet als selbstständiger Immobilienkaufmann im RE/MAX Immobilien Kontor Saarlouis. Mit seinem Fachwissen verfasst er Beiträge in allen Bereichen der Immobilienbranche, die von vielen Abonnenten gelesen werden.